Wer kennt sie
nicht, die simpelen meist kastenförmigen Kameras, welche nahezu 70 Jahre lang
gebaut wurden. Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, das in den 50er und
teilweise noch 60er Jahren des letzten Jahrhunderts viele Menschen auf ihren
Spaziergängen von so einem Utensil begleitet wurden. Meist wurden sie sogar
ohne Bereitschaftstasche, die Tragegriffe waren ja groß genug, durch die Gegend
transportiert.
Die erste Box wurde von Kodak
1898 herausgebracht. Es war die Kodak 1, sie wurde eigens dafür entwickelt, um
den inzwischen produzierten Rollfilm besser verkaufen zu können. Man bediente
sich einfacher Technik, um die Fotografie auch dem nicht so technisch begabten
Menschen näher zu bringen, aber auch um das Medium populär und somit zur
Massenware zu machen. Eine geniale Idee, die auch gut in unsere heutige Zeit
passen würde, die Entwicklung von Vermarktungsstrategien ist also nicht erst
eine Erfindung der letzten Jahre.
Die Box trat
einen Siegeszug an, ihr Konstruktionsprinzip und die Technik fand sich selbst in
den Einfachkameras der Nachkriegszeit wieder, die inzwischen den Namen Box
abgelegt und sich optisch weit von der Kastenform entfernt hatten. Meine erste
Digna war vom Prinzip und der Technik auch nicht sehr viel
anders.
In Deutschland
ließ die Entwicklung und der Durchbruch der Box allerdings ein bißchen auf sich
warten. Die Gründe waren vielfältig, sie hier näher zu betrachten lasse ich
lieber.
Meines Wissens
kam dann ca. 1930 die Wende mit der EHO-Box, obwohl es vorher schon einige
Modelle gab. Es folgten Balda, Agfa und andere Anbieter. Es wurde richtige
Werbestrategien entwickelt um das Produkt Box unter das Volk zu bringen, sowohl
über den Preis, als auch Mitte und Ende der 30er Jahre über den
Namen.
Der Fotohandel
rümpfte über den nun beginnenden Boom die Nase. "Schüler- und Idiotenkameras"
wurden die neuen "Knipsgeräte" verächtlich genannt. Dahinter steckte natürlich
auch die Feststellung, daß es schon ein recht mühsames Geschäft war, 6x9 und
4,5x6 Kontaktabzüge herzustellen und damit einen Teil seiner Brötchen zu
verdienen.
Der Siegeszug
der Boxkamera war aber nicht mehr aufzuhalten, ich finde, er ist als ein
Meilenstein in der Fotografie anzusehen , die Belege dafür kann man heute noch
in unzähligen Fotoalben bewundern, sofern sie die Jahre überstanden haben.
Da es sich bei
den Fotos meist um Kontaktabzüge handelte, die Filmempfindlichkeit und die
Blendenöffnung ohnehin meist nur Schönwetterfotografie, oder später dann
Blitzlichtaufnahmen zuließen, können sich die Ergebnisse teilweise durchaus
sehen lassen, denn bei 6x 9 Kontaktabzügen fielen Objektivfehler, Unschärfe und
Verwackelung nicht immer auf. Dazu kam noch, daß die damals verwendeten
Rollfilme mehr oder weniger gutmütig gegen Über- oder Unterbelichtung waren. Mir
macht es persönlich immer wieder Freude solche Alben durchzublättern. Selbst in
Fotozeitschriften aus der Zeit nach der Währungsreform fand man unzählige
Abbildungen von Boxaufnahmen.
Für den
Kamerasammler ist es sicher ein interessantes Gebiet, diesen Typ zu sammeln,
wollte ich auch mal, ist letztlich aber auch eine Platzfrage, außerdem sind gut
erhaltene Exemplare mittlerweile auch schon rar. Was man teilweise auf
Trödelmärkten, bei eBay usw. findet, ist oft nur noch Schrott. Ich habe vor ein
paar Jahren, zugegeben für einen Spottpreis bei eBay mal eine Box Tengor
erworben, äußerlich Zustand C/D innen total verrostet. War so ein ominöser
"Dachbodenfund", tippe aber eher auf Lagerung im ziemlich feuchten Keller .
Rückgabe wäre das Porto nicht wert gewesen, Wegwerfen wollte ich sie auch nicht,
also habe ich sie zerlegt und bin dem Rost mit einem Glasfaserstift zur
Reinigung von Batteriepolen und chemischem Rostumwandler zu Leibe gerückt. War
mühsam. Anschließend ließ sich eine Lackierung mit schwarzem Kameralack nicht
vermeiden. Die Kamera ist nun zwar wieder ganz ansehnlich, aber die von mir so
geschätzte Alterspatina, weil nun mal ein Gebrauchsgerät, ist
verloren.
Bevor ich nun
ein paar von meinen wenigen Boxen aus meiner Kamerasammlung zeige, noch ein
wenig allgemeine Technik über diesen Kameratyp.
Gehäuse
Einfache meist
kastenförmige Gehäuse aus Stahl- manchmal Alublech, mitunter sogar
Pappe.
Meist konnte
man die Einheit für die Filmführung und den Spulenhalter herausnehmen. Die
einzelnen Varianten möchte ich hier nicht beschreiben, würde zu weit
führen.
Objektive
a)Meniskus
Im Regelfall
war es eine Linse, Meniskus genannt. Ein Meniskus ist eine konvex-konkav
geformte Sammellinse. Diese Linse war dann vor, oder hinter der Blende
angeordnet. Bei Anordnung hinter der Blende war meist ein Schutzglas vor Linse
und Verschluß.Eine akzeptabele Abbildungsqualität erreichte man nur durch ein
kleines Öffnungsverhälnis, meist 1:11. Die Qualität fiel zum Bildrand stark
ab.
b)
Periskop
Um den
Qualitätsabfall der Meniskuslinse auszugleichen verwendete man die Kombination
von zwei Meniskuslinsen, dieses Objektiv nannte man Periskop, es kam aber aus
Kostengründen weniger zum Einsatz.
c)
Achromat
Bei den Boxen
der gehobenen Preisklasse kam ein Achromat zum Einsatz, dieses waren zwei
verkittete Linsen.
Entfernungseinstellung
Der Regelfall
waren Fixfokus-Objektive, ab ca. 3-4 m wurde scharf abgebildet, für den Bereich
1-2m gab es für manche Modelle Portraitlinsen, teilweise fest und einschwenkbar
eingebaut.
An einigen
Boxen gab es allerdings eine Entfernungseinstellung, bei den Billigmodellen kam
sie aber nicht in Frage.
Blende
Meist stand
Blende 11 und 16 zur Auswahl, selten noch 22. Dazu wurde in der Regel ein ein
Lochblech mit entsprechender Öffnung in den Strahlengang der Linse
geschwenkt.
Verschluß
Im Regelfall
eine Verschlußzeit zwischen 1/25 und 1/50 und Z(B) für Langzeitbelichtung. Bei
den Billigkameras gab es meist den Rotationsverschluß, d.h. ein Langloch gabe
den Lichtzugang kurzzeitig frei und blieb dann in der Endposition stehen. Bei
der nächsten Aufnahme drehte sich der Verschluß dann in die andere Richtung. Der
Auslösehebel stand also mal oben oder unten. Häufig zu finden bei den EHO- und
Agfaboxen.
Sucher
In den Anfängen
ein einfacher Rahmen. Später folgte dann der Brilliantsucher, man sah ein
seitenverkehrtes, helles über einen Spiegel erzeugtes Bild. War für die beiden
Aufnahmeformate, Hoch und Quer, doppelt vorhanden. Durchsichtsucher kamen erst
bei den späteren Kunststoffboxen auf.
Zählwerk
Die Boxen
verwendeten die auf dem Papierträger des Rollfilms aufgedruckten Zahlen. Sie
konnten durch ein rotes Fenster angesehen werden. Häufig wurden diese Fenster
durch einen Schieber abgedeckt.
Blitzen
Bei einigen
Modellen der Boxkameras war auch das Blitzen mit Blitzgeräten möglich, denn sie
waren synchronisiert.
Sonstiges
Ein großer Teil
der Boxen war natürlich auch mit Stativ- und Drahtauslöseranschluß
ausgestattet.