Voigtländer Prominent
Neben
meinem Hobby Fotografie, sammele ich auch noch Kameras. Ich bekomme
allerdings jedesmal, wenn ich meine Schätze betrachte, oder eine
neue Kamera dazu kommt, ein ungutes Gefühl. Denn die
Schätzchen sind eigentlich nicht dafür gebaut, daß sie
ihr Dasein in einer Vitrine oder Schublade fristen. Sie stehen, oder
liegen sich dort schlichtweg kaputt. Welcher Sammler macht sich schon
die Mühe, regelmäßig die Kameras aus der Vitrine zu
nehmen, sämtliche Verschlußzeiten mehrmals auszulösen ?
Ich mache es zwar, aber auch nur hin und wieder. Einfach zu wenig.
Vor
einiger Zeit hatte ich das Glück eine Prominent I mit Nokton
1:1,5/50mm zu erwerben. Ein Traum ging in Erfüllung, wenn auch
spät. Ich kannte diese Kamera schon als Jugendlicher, aber sie
war für mich damals unerschwinglich. Diese Kamera in die
Vitrine ? Nur über meine Leiche !!! Als ich das erste Mal mit dieser (eben jetzt meiner) Kamera
in Berührung kam, hatte sie Probleme mit den Zeiten. Ein Bekannter
von mir, ehemals Servicemitarbeiter bei Voigtländer, hat dann den
Verschluß gereinigt und sie somit wieder voll funktionsfähig
gemacht. Bei einfacheren Kameramodellen mache ich sowas auch schon mal
selber, aber hier habe ich mich doch nicht getraut. Nun wird sie also
wieder genutzt.
Für
mich gibt es als Hobbyfotograf immer noch Gelegenheiten, Fotografie
pur, also ohne Autofokus und Belichtungsautomatik, zu geniessen. Ich
habe kein Problem damit, mit einem externen Belichtunsmesser ermittelte
Werte manuell auf die Kamera zu übertragen. Ich nutze
übrigens manchmal auch noch andere Kameras aus meiner Sammlung. Ich
kann jedem ambitioniertem Sammler nur raten, kauft solche Schätze
um sie zu nutzen, verbannt sie nicht in die Vitrinen und laßt sie
dort vergammeln. Nur so bleiben sie funktionstüchtig und
werden am Leben erhalten. Regelmäßige Nutzung erspart somit
auch Reparaturkosten.
Als
Voigtländer die Prominent 1950 auf den Markt brachte, wollte man
ein Gegenstück zur Leica und Contax schaffen. Einige Details waren
für die damalige Zeit geradezu sensationell, doch leider
ließ sich nicht an dem Nimbus der Leica oder Contax kratzen. Mit
dem Angebot an Wechselobjektiven, 35,50,100 und 150 mm ließ sich
natürlich auch nicht viel Staat machen. Es gab zwar noch
Zubehör für den Makro- und Reprobereich, doch auch hier
hatten die Leica und die Contax die Nase vorn. Es war also schwierig,
Leica- oder Contaxfotografen zum Systemwechsel zu bewegen.
Der
große Pluspunkt der Prominent war aber der, daß die
Objektive um die Hälfte billiger waren, als die von Leica oder
Zeiss. In der Abbildungsleistung waren sie mindestens ebenbürtig.
Das Nokton ist nach meiner Auffassung, im Vergleich mit den damaligen
Objektiven selbst der Nobelmarken, konkurenzlos.
Ich
benutze die Prominent in Verbindung mit einem Aufsteckbelichtungsmesser
der Marke Metraphot. Dieser Belichtungsmesser hat auch schon einige
Jahrzehnte auf dem Buckel, ist wohl genauso alt wie die Kamera,
funktioniert aber Dank der pfleglichen und fachgerechten Aufbewahrung
seiner vorherigen Besitzer noch einwandfrei.
Für
das Reisegepäck ist so eine Kamera allerdings nur bedingt
geeignet, sie bringt mit dem Nokton und Gegenlichtblende rund 1 Kg auf
die Waage. Aber mit dem heutigen Plastikgeraffel einfach nicht zu
vergleichen. Das ist noch Feinmechanik und Objektivbau vom Feinsten,
trotzdem macht sie einen sehr robusten, aber nicht plumpen Eindruck und
kommt somit meinen großen, manchmal schon zittrigen Händen
sehr entgegen. Man hat einfach was in der Hand.
Wenn es interessiert, nachfolgend ein paar technische Daten zu meiner Prominent I :
Typ:
Meßsucherkamera
Verschluß: Zentralverschluß Synchro-Compur
Selbstauslöser: ja
Verschlußzeiten: 1/1 -1/500 u. B
Blitzsynchronisation: 1/1 – 1/500 Sek.
Blitzanschluß: X/M
Zubehör-/Blitzschuh: ja
Kameragehäuse: Aluguß, lederbezogen
Objektiv: Nokton 1:1,5/50 mm
Blenden: 1,5 - 16
Entfernungseinstellung: 0,9 m – unendlich
Bildwinkel: 55 Grad
Linsen: 7
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