Praktisix
Meine
aktuelle und zeitweilig eingesetzte MF-Ausrüstung besteht aus
einer Praktisix und einer KIEV 88. Sind natürlich keine
Nobelmarken wie Hasselblad , Rollei, oder Sonstige,
sondern nur einfacher Kameraadel, daher für manchen Leser
nicht der absolute Hit, aber......... ich muß mich auch ein
bißchen danach richten, was finanziell realisierbar
ist. Ich bin außerdem nicht so ein Freak, daß ich alles meinem Hobby unterordne, obwohl ich manchmal gefährlich nahe dran bin.
Daß
ich meine MF-Ausrüstung nur zeitweilig einsetze, liegt daran,
daß sie einfach sehr schwer ist und überhaupt, wer mag
schon gerne als Packesel durch die Gegend laufen. Das Leben
besteht halt aus Kompromissen. Doch stellt man hohe
Ansprüche, sollte man die KB-Ausrüstung häufiger
zu Hause lassen. MF-Format für mich, a là bonne heure.
Ich benutze es ausschließlich für SW-Fotografie.
Meine
belichteten Filme safte ich dann nicht in irgend einer
Einheitsentwicklerbrühe Pi mal Daumen ab, sondern habe da seit
Jahren meinen ausgetesteten Standardprozess. Ich arbeite zwar nicht mit
dem Zonensystem,aber doch mit gewissen Standards, kann daher bei
sorgfältiger Anwendung meine Ergebnisse reproduzieren. Ich
bevorzuge Einmalentwickler trotz langer Entwicklungszeiten, weil
mir die Berücksichtigung von Verlängerungs- und
Unsicherheitsfaktoren einfach zu risikobehaftet ist. Labortipps
kommen vielleicht mal später auf dieser Internetseite, obwohl... ,
nee gibt es eigentlich genug im Internet. Deshalb nur kurz
und wenn es interessiert: Mein absoluter Favorit ist, solange Vorrat reicht: Agfapan APX100, entwickelt in Acufine 1+3.
Doch nun zur ersten Kamera.
Praktisix:
Die
Praktisix wurde 1956 auf der Photokina vorgestellt und ab 1957 in Serie
produziert. Sie ist eine 6x6 SLR-Kamera mit
Wechselobjektivanschluß und auswechselbarem Suchersystem
(nähere technische Daten folgen weiter unten)
Dieser
Kameratyp, sowie der Nachfolger, die Pentacon Six war im Gegensatz zu
den KB-Modellen aus den gleichen Prokuktionsstätten vor der Wende
kaum in Westdeutschland zu bekommen. Nach dem Wegfall des eisernen
Vorhangs und der Auflösung des Ostblocks tauchten dann allerdings
große Mengen nebst Zubehör davon auf dem Gebrauchtmarkt auf.
Da Angebot und Nachfrage bekanntlich den Preis regeln, kann man relativ
günstig kaufen. Doch Vorsicht, vermeintliche Schnäppchen sind
in der Regel bei näherer Betrachtung nicht immer welche.
Wenn man sich also auf so einen Deal einläßt, muß man
sich im Klaren sein, was man tut, evtl. zu erwarten und zu
berücksichtigen hat.
Ein
großer Schwachpunkt der Prakti- und der Pentaconsix sind die
1/125 Sek. und der Filmtransport, dazu kommt noch, daß die
Kameras temperaturempfindlich sind. Die Kameras mögen es gerne
nicht zu kalt, bei Väterchen Frost kann man sie vergessen. Die
1/125 funktioniert da einfach nicht, andere Zeiten manchmal auch nicht.
Es gibt nur 2 Möglichkeiten, man verzichtet auf den Einsatz dieser
Zeit ( Zeiten), oder Generalreinigung und der Einsatz von
moderneren Schmiermitteln, doch ... dazu muß die Kamera
allerdings vollständig zerlegt werden. Der normale "Heimwerker"-
meist Grobmotoriker- sollte das aber lassen, sondern diese Arbeit
einem Spezialisten anvertrauen. Ich habe das übrigens getan und
habe seither diesbezüglich keine Probleme mehr
mit der Kamera.
Ein
weiterer Schwachpunkt ist der Schnellspannhebel. Schon der Ausdruck
Schnellspannhebel und das Pendant bei Kleinbildkameras animiert den
Anwender zur gewohnt schlampig, lässigen Handhabung eben dieses
Kamerateils. Sollte man lassen. Die Six, benimmt sich da wie eine Diva,
nicht erwartete Behandlung = unvorhergesehene Reaktion,
d.h. in diesem Fall, der Filmtransport läuft nicht optimal
ab, es kommt zu Überlappungen bei den Negativen. Fazit, man
muß den Hebel langsam, mit Bedacht und beim
Rückwärtsgang mit dem Daumen bremsend betätigen. Also
nicht mal eben ratsch. Ganz schön zickig, diese Diva . Geht man
aber auf ihre Eigenheiten ein, hat man eine Partnerin
fürs Leben, naja... , besser gesagt für längere
Zeit und viel Freude damit. So ist das halt, genau wie im
richtigen Leben mit der Damenwelt.
Fazit:
Ich
kenne meine Praktisix mittlerweile gut, weiß, was sie kann,
weiß, wie ich sie einsetzen kann, weiß, wo ihre
Stärken und Schwächen liegen, mag sie deshalb. Kurz gesagt,
ich möchte sie nicht missen, komme mit ihr sehr gut zurecht.
Eine
Pentacon Six habe ich übrigens auch, sie steht aber in der
Vitrine, denn sie hat die oben beschriebenen Macken. Evtl. werde
ich sie auch mal einem Spezialisten anvertrauen, um die Mängel
beheben zu lassen.
Nun ein paar technische Daten:
Typ:
SLR Mittelformatkamera 6x6
Filmtyp:
120er Rollfilm
Wechselobjektive:
ja , K6-Bajonett
Verschlußzeiten:
1- 1/1000, B
Blitzanschluß:
ja
Sucher:
auswechselbar, auch die Sucherscheiben
(Lichtschacht, mit Lupe, Prismensucher mit und ohne
Belichtungsmessung)
Zubehörschuh:
nein
Selbstauslöser:
ja
Normalobjektiv:
Biometar 2,8/80 5 Linsen/4 Gruppen
Ich gehe hier allerdings fremd und benutze ein
EXAKTA 66 1:2,8/80mm von Schneider
Weitere
Objektive:
Flektogon 4,0/50 mm 7 Linsen/4 Gruppen
Biometar 2,8/120 mm 5 Linsen/ 4 Gruppen
Sonnar 2,8/180 mm 5 Linsen/ 3 Gruppen
Die
Objektive nutze ich auch an der KIEV 88, denn die habe ich auf K6
-Bajonett umbauen
lassen.
Außerdem
habe ich noch ein Balgengerät , einen Zwischenringsatz, sowie
Filter für die
SW-Fotografie.
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